Fenster sind die einzigen Bauteile der Hülle, die gleichzeitig Wärme verlieren und gewinnen. Die korrekte Bilanzierung nach Uw-Wert, g-Wert und Orientierung ist entscheidend für die Gesamtbilanz.
Fenster verlieren Wärme durch Transmission (Uw-Wert) und gewinnen gleichzeitig solare Energie (g-Wert × Strahlung). In DIN V 18599 werden beide Effekte monatlich bilanziert.
Uw = (Ug×Ag + Uf×Af + lg×ψg) / (Ag + Af)
Ug = U-Wert der Verglasung · Ag = Glasfläche · Uf = U-Wert des Rahmens · Af = Rahmenfläche · lg = sichtbare Glaslänge · ψg = linearer Wärmebrückenkoeffizient Glasrandverbund [W/(mK)]
Q_s = Σ(g × A × G_hor × F_or × F_sh)
Solare Wärmegewinne: g = Gesamtenergiedurchlassgrad · A = Fensterfläche [m²] · G_hor = horizontale Globalstrahlung [kWh/(m²·Monat)] · F_or = Orientierungsfaktor · F_sh = Verschattungsfaktor
Der Glasrandverbund (ψg) ist eine typische linienförmige Wärmebrücke: Warmkante (Swisspacer, TPS) ergibt ψg ≈ 0,04 W/(mK), Aluminium-Abstandhalter ψg ≈ 0,08 W/(mK). Diese Differenz wirkt sich bei großen Fensterumfängen spürbar auf den Uw-Wert aus.
g_eff = g_Glas × F_C (Abminderungsfaktor Sonnenschutz)
Die Kombination aus Uw-Wert (Wärmeverlust) und g-Wert (solarer Gewinn) bestimmt die Eignung einer Verglasung für den jeweiligen Einsatzort und Klimabedarf.
| Verglasungstyp | Uw W/(m²K) | g-Wert | GEG §48 | Empfohlene Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| Einfachglas (historisch) | ~ 5,8 | 0,87 | Pflicht zum Ersatz | Keine – sofort ersetzen |
| Zweifachglas (Standard alt) | ~ 2,8 | 0,75 | Pflicht zum Ersatz | Bestand bis 1990 – sanierungsbedürftig |
| Zweifach Wärmeschutz | 1,0–1,3 | 0,55–0,65 | GEG erfüllt | Standard Neubau/Sanierung, Wohngebäude |
| Sonnenschutzverglasung 2-fach | 1,1–1,3 | 0,30–0,45 | GEG erfüllt | Großflächige Süd-/Westfassaden, Büro |
| Dreifachverglasung WS | 0,7–0,9 | 0,50–0,55 | Sehr gut | Passivhaus, KfW-40, Wohnbau Nordfassade |
| Dreifach Sonnenschutz | 0,7–0,9 | 0,30–0,40 | Sehr gut | Hochhausfassaden, sommerwarme Lagen |
Der Rahmen trägt zu 20–30 % zur Fensterfläche bei. Die Wahl des Rahmenmaterials und des Abstandhalters beeinflusst den Uw-Wert erheblich.
Holzrahmen haben eine niedrige Wärmeleitfähigkeit (λ ≈ 0,13 W/(mK)) und ermöglichen Uf-Werte von 1,0–1,4 W/(m²K). Wartungsintensiv (Lackanstrich alle 5–10 Jahre). Bei Holz-Alu-Fenstern schützt die Alu-Schale außen vor Witterung.
PVC-Rahmen mit mehreren Kammern erreichen Uf-Werte von 1,2–1,6 W/(m²K). Wirtschaftlich und wartungsarm. Bei hoher Sonneneinstrahlung Ausdehnungsprobleme möglich. Marktanteil in Deutschland über 50 %.
Alu-Rahmen brauchen eine thermische Trennung (Polyamid-Steg) um akzeptable Uf-Werte von 1,3–2,0 W/(m²K) zu erzielen. Sehr langlebig, hohe Gestaltungsfreiheit. Standard im Gewerbebau und Fassadensystemen.
Der Abstandhalter am Glasrand ist eine linienförmige Wärmebrücke. Aluminium-Abstandhalter (Kaltbrücke): ψg ≈ 0,08 W/(mK). Warmkante (Swisspacer, TPS, RandAl): ψg ≈ 0,03–0,05 W/(mK) – sichtbar im Uw-Wert-Ergebnis, da lg in der Uw-Formel multipliziert wird.
In DIN V 18599 werden solare Wärmegewinne monatlich je Himmelsrichtung berechnet. Südfenster liefern im Winter ein Vielfaches der Gewinne von Nordfenstern.
Maximum der solaren Gewinne. Im Sommer Gefahr der Überhitzung – Sonnenschutz essentiell.
Mittlere Gewinne. Morgensonne (Ost) angenehm; Abendsonne (West) im Sommer problematisch.
Geringe solare Gewinne, hohe Wärmeverluste. Fensterfläche minimieren, hoher Uw-Wert nachteilig.
Lichtkuppeln und Dachflächenfenster erhalten maximale Strahlung – g-Wert besonders relevant.
Transmission und solarer Gewinn werden für jede Fenstergruppe (Orientierung, Verglasung, Verschattung) monatlich berechnet und zum Heiz- und Kühlbedarf addiert.
Im Winter liefern Südfenster erhebliche solare Gewinne. Sie mindern den Heizwärmebedarf direkt. Ein gut ausgerichtetes Fenster (g=0,60, A=2 m², Süd) kann im Monat Januar ca. 10–15 kWh solare Wärme einbringen – relevant für die Jahresbilanz.
Im Sommer überwiegen solare Einträge – besonders bei unverschatteten Süd- und Westfenstern. Für Nichtwohngebäude muss der sommerliche Wärmeschutz nach DIN 4108-2 nachgewiesen werden. Außenliegender Sonnenschutz ist deutlich effektiver als innenliegender.
Werden Fenster ausgetauscht, muss der neue Uw-Wert ≤ 1,3 W/(m²K) betragen (GEG §48, Anlage 7). Bei einem Fenstertausch an mehr als 10 % der Fensterfläche gilt die Pflicht vollständig. Dachflächenfenster und Lichtkuppeln haben gesonderte Grenzwerte.
Der Anschluss des Fensterrahmens an die Außenwand erzeugt eine weitere Wärmebrücke. Bei schmalem Einbau (Bündigkeit außen) entstehen ψ-Werte bis 0,10 W/(mK). Einbau in der Dämmebene reduziert diesen Wert auf ψ ≈ 0,00–0,02 W/(mK).
Wir analysieren Uw-Werte, g-Werte und solare Gewinne Ihrer Verglasung und empfehlen den wirtschaftlichsten Austausch mit maximaler BEG-Förderung.