Das Dach ist die Hüllfläche mit dem größten Einsparpotenzial. Von der Sparren-Wärmebrücke beim Steildach bis zur U-Wert-Korrektur beim Umkehrdach – alle Dachtypen korrekt bilanziert.
Jeder Dachtyp hat in der Bilanzierung nach DIN V 18599 eigene Besonderheiten beim U-Wert-Ansatz, der Feuchtetechnik und der Wärmebrückenberechnung.
Belüftete Luftschicht → angepasster Rse. Sparren-Wärmebrücke per ISO 6946 D berechnen.
Kein Luftspalt. Dampfsperre innen, Dämmung oben, Abdichtung außen.
Dämmung über der Abdichtung. Niederschlagskorrektur ΔU'' nach ISO 6946 erforderlich.
Substrat als vereinfachte Dämmschicht. Verdunstungskühlung senkt Sommerkühllast.
Bei Zwischensparrendämmung bilden die Holzsparren eine Wärmebrücke parallel zur Dämmung. Der U-Wert liegt erheblich über dem Wert der reinen Dämmschicht und muss nach ISO 6946 Anhang D berechnet werden.
R'T = f_D × R_Dämmung + f_Sp × R_Sparren
Obere Grenzschätzung (f = Flächenanteile Dämmung / Sparren). Typisch: f_D = 0,88 (88 % Dämmung), f_Sp = 0,12 (12 % Sparren bei 6 cm Sparren / 60 cm Achsabstand)
R''T = 1 / (f_D/R_D + f_Sp/R_Sp)
Untere Grenzschätzung. U_korrigiert = 2 / (R'T + R''T). Die Differenz zwischen oberer und unterer Grenze zeigt den Einfluss der Wärmebrücke: Typisch erhöht sie den U-Wert um 15–35 % gegenüber reiner Zwischensparrendämmung.
Holzsparren (λ = 0,13 W/(mK)) leiten Wärme ca. 3–4× besser als Mineralwolle → Wärmebrücke
Flachdächer erfordern besondere Aufmerksamkeit beim Feuchte- und Wärmeschutz. Jeder Aufbautyp hat eigene normative Ansätze für die U-Wert-Berechnung.
Kein Luftspalt zwischen Dämmung und Abdichtung. Typischer Aufbau von unten: Stahlbeton + Dampfsperre (PE-Folie oder Bitumen-Schweißbahn) + Mineralwolle oder PIR + Abdichtungsbahn. Berechnung nach ISO 6946 (Standard). Dampfsperre-Sd-Wert muss > 100 m. Keine U-Wert-Korrektur erforderlich.
XPS-Platten liegen auf der Abdichtung – feuchteresistent und druckfest. Vorteil: Abdichtung ist vor Temperaturwechseln geschützt. Nachteil: Regenwasser kühlt die Dämmung → U-Wert-Korrektur ΔU'' nach ISO 6946 muss addiert werden. ΔU'' ≈ 0,01–0,05 W/(m²K) je nach Niederschlagsmenge und Dämmdicke.
Extensives Gründach (Substrat 6–15 cm, λ ≈ 0,5 W/(mK)) verbessert den U-Wert leicht. 10 cm Substrat entspricht ca. R ≈ 0,20 m²K/W (≈ 6 cm Mineralwolle). Hauptvorteil: Verdunstungskühlung im Sommer senkt den Kühlbedarf. In DIN V 18599 vereinfachter Ansatz mit trockenem λ; feuchteabhängige Verbesserung bleibt unberücksichtigt.
Dachflächenfenster (geneigt) haben typische Uw-Werte von 1,0–1,4 W/(m²K). Lichtkuppeln (Acryl, doppelschalig) erreichen 1,5–2,5 W/(m²K). Wichtig: Horizontale Lage bedeutet deutlich höhere solare Einstrahlung als Vertikalverglasung – g-Wert besonders relevant für Kühllast. GEG §48: Lichtkuppeln ≤ 2,0 W/(m²K) bei Austausch.
Die Tabelle zeigt, welche Dämmdicken bei typischen Materialien für den GEG-Grenzwert und die Passivhausanforderung erforderlich sind.
| Aufbau / Konstruktion | Dämmstoff | Dämmdicke für U ≤ 0,20 | Dämmdicke für U ≤ 0,10 (PH) | GEG §48 |
|---|---|---|---|---|
| Flachdach Warmdach (Beton 20 cm) | Mineralwolle λ=0,036 | 16–18 cm | 34–36 cm | ≤ 0,20 Pflicht |
| Flachdach Warmdach (Beton 20 cm) | PIR λ=0,024 | 10–12 cm | 22–24 cm | ≤ 0,20 Pflicht |
| Umkehrdach (+ ΔU'' Korrektur) | XPS λ=0,035 | 18–20 cm | 38–40 cm | ΔU'' beachten |
| Steildach Aufsparren | EPS/PIR λ=0,026 | 10–12 cm (+ ZS-Füllung) | 22–24 cm | Optimal |
| Steildach Zwischen- + Untersparren | MW 18 cm ZS + 6 cm US | 18 cm ZS + 6 cm US ≈ 0,18 | Nicht wirtschaftlich | GEG knapp |
| Oberste Geschossdecke (Bestand) | MW lose eingeblasen λ=0,040 | 18–20 cm | 38–40 cm | Günstigste Maßnahme |
Steildach oder Flachdach? Belüftet oder unbelüftet? Schichtaufbau von innen nach außen mit Dicken und λ-Werten aufnehmen.
Steildach Zwischensparren: Parallelschaltungsmethode ISO 6946 Anhang D anwenden. Umkehrdach: ΔU'' addieren. Gründach: vereinfachtes λ=0,5 für Substrat.
U > 0,20 W/(m²K) und > 10 % der Dachfläche werden baulich verändert → Dämmpflicht nach GEG §48. Alternativpfad: Gesamtgebäudenachweis möglich.
Uw-Wert und Fläche separat in die Bilanz eintragen. Bei horizontaler Lage: g-Wert für Kühllastberechnung besonders relevant.
Dachdämmung über BEG BAFA-Einzelmaßnahmen mit 15–20 % Zuschuss. Dacherneuerung kombiniert mit Dämmung ist oft wirtschaftlichster Zeitpunkt.
Wir berechnen U-Werte für alle Dachkonstruktionen – normgerecht mit Sparren-Wärmebrücken und Umkehrdach-Korrekturen – und ermitteln die wirtschaftlichste Sanierungsoption.