Jeder der 12 Normteile ist ein eigenständiges Berechnungsverfahren mit definierten Eingangs- und Ausgangsgrößen. Hier erfahren Sie, was jeder Teil berechnet, welche Daten er benötigt und wie die Teile miteinander verbunden sind.
DIN V 18599 ist kein einzelnes Rechenverfahren, sondern ein modulares System von 12 Teilen, die aufeinander aufbauen. Jeder Teil ist eigenständig – er kann einzeln angewendet werden, wenn die Eingangsgrößen aus anderen Quellen bekannt sind – entfaltet aber seinen vollen Wert im Zusammenspiel.
Der Berechnungsablauf folgt einem logischen Fluss: Zuerst werden in Teil 1 die Systemgrenzen und Zonen definiert. Dann berechnet Teil 2 den Nutzenergiebedarf für Raumheizung und -kühlung aus den Gebäudehülleigenschaften und Nutzungsprofilen (Teil 10). Parallel dazu liefert Teil 4 den Beleuchtungsenergiebedarf. Die Nutzungsenergien fließen in die Systemteile 5 bis 9, die jeweils die Anlagenverluste addieren und den Endenergiebedarf berechnen. Zuletzt gewichtet Teil 1 alle Ergebnisse mit den Primärenergiefaktoren.
Wichtig: Einige Teile haben Rückwirkungen auf andere. Die internen Wärmegewinne durch Beleuchtung (aus Teil 4) beeinflussen den Heizwärmebedarf in Teil 2. Die Abwärme von Kühlmaschinen (Teil 7) fließt als Wärmequelle zurück. Diese Verschränkungen machen eine isolierte Betrachtung einzelner Maßnahmen fehleranfällig.
Die Nutzungsprofile definieren die normierten Betriebsbedingungen, unter denen jede Zone bilanziert wird. Hier ein Auszug aus den wichtigsten Nutzungsarten.
| Nutzungsart | Betriebszeit | Heiz-Soll [°C] | Belegung [m²/P.] | Beleuchtung [lx] | Interne Last [W/m²] |
|---|---|---|---|---|---|
| Büro (Einzelbüro) | 7–18 Uhr | 20 | 8 | 500 | 14 |
| Großraumbüro | 7–18 Uhr | 20 | 12 | 500 | 12 |
| Besprechungsraum | 8–17 Uhr | 20 | 3 | 300 | 20 |
| Schulzimmer | 7–16 Uhr | 20 | 2,5 | 300 | 15 |
| Verkaufsfläche | 7–21 Uhr | 20 | 5 | 750 | 25 |
| Hotel Zimmer | 0–24 Uhr | 22 | 20 | 150 | 8 |
| Krankenhaus Bettenstation | 0–24 Uhr | 22 | 15 | 200 | 10 |
| Gastronomie | 10–22 Uhr | 20 | 2 | 200 | 30 |
| Hallenbad | 6–22 Uhr | 30 | – | 300 | – |
| Kühllager | 0–24 Uhr | 5 | – | 100 | 5 |
Angaben sind vereinfacht und dienen der Übersicht. Maßgeblich sind die aktuellen Tabellenwerte der DIN V 18599-10.
Ein Jahresmittelwert der Außentemperatur (z. B. 9,5 °C für Deutschland) würde suggerieren, dass das Gebäude ganzjährig etwa gleich viel Heizenergie benötigt. Die Monatsbilanz in Teil 2 zeigt dagegen, dass im Juli keine Heizenergie benötigt wird, sondern stattdessen Kühlenergie anfällt. Wichtig ist auch die Überlagerung mit solaren Gewinnen: Ein nach Süden ausgerichtetes Büro hat im März und April oft keinen Heizbedarf mehr, weil die Sonneneinstrahlung die Verluste übersteigt – obwohl die Außentemperatur noch unter dem Soll liegt.
Die Wahl der Automationsklasse in Teil 11 hat oft unterschätzten Einfluss auf das Berechnungsergebnis. Für ein typisches Bürogebäude ergeben sich folgende Korrekturfaktoren auf den Heizbedarf gegenüber Klasse C (Referenz):
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