Bürogebäude · DIN V 18599 Teil 7

Büro- und Verwaltungsgebäude: Innenlasten, Zonierung und Kühlenergie im Gebäudeaudit

Bürogebäude sind durch hohe interne Wärmelasten aus IT und Personen geprägt. Das Energieaudit muss Kernzonen mit Ganzjahreskühlung von Fassadenzonen mit saisonalem Heiz- und Kühlbedarf trennen – und die Basis für DGNB-, BREEAM- oder LEED-Zertifizierung schaffen.

2.500 h/a Nutzungszeit
250–400 W/Arbeitsplatz
Freikühlung bis 50 % Einsparung
Zu den FAQ Beratung anfragen
2.500
h/a Nutzungszeit
400 W
max. Last/AP
50 %
Freikühlung
3
Zertifizierungen
Grundlage

Bürogebäude im Energieaudit: Was sie besonders macht

Büro- und Verwaltungsgebäude unterscheiden sich energetisch grundlegend von Wohngebäuden oder Industriehallen. Die Energiebilanz wird nicht primär durch die Gebäudehülle bestimmt, sondern durch die hohen internen Wärmelasten aus IT-Geräten, Personen und Beleuchtung. Diese Lasten machen Kühlung zum dominanten Energieverbraucher – auch in gemäßigten Klimazonen wie Deutschland.

Für das Energieaudit nach DIN V 18599 bedeutet das: Die Nutzungsprofile müssen präzise erfasst werden, die IT-Dichte je Raum muss bekannt sein, und die Zonierung des Gebäudes in Kern- und Fassadenzonen ist unverzichtbar. Eine pauschale Berechnung mit einem einzigen Nutzungsprofil für das gesamte Gebäude führt zu erheblichen Fehleinschätzungen der Kühl- und Heizenergie.

Typische Nutzungszeiten liegen bei 2.500 Betriebsstunden pro Jahr (Montag bis Freitag, ca. 7–19 Uhr). Serverräume und Rechenzentren – falls im Gebäude vorhanden – laufen 8.760 Stunden und dominieren die Strombilanz mit hohen IT-Lasten.

Bürogebäude Energieaudit
Innenlasten

Interne Wärmelasten: Personen, IT und Bürotechnik

Die internen Wärmelasten bestimmen die Kühlanlage und beeinflussen die Heizenergiebilanz durch nutzbare Wärmegewinne. Im Audit müssen sie raumweise erfasst und über das Nutzungsprofil zeitlich verteilt werden.

Typische Innenlast-Anteile je Arbeitsplatz (Großraumbüro, hohe IT-Dichte)
Person (sensibel)
Person 80–100 W
80–100 W
Desktop-PC + Monitor
Desktop + 2 Monitore
120–200 W
Beleuchtung (AP-Anteil)
Leuchtstoff/LED
30–80 W
Bürotechnik (Anteil)
Drucker, Scanner
20–40 W

Einzelbüro

Niedrigste IT-Dichte und Personenzahl. Innenlast typisch 150–250 W/AP. Kühlbedarf nur in Süd- und Westfassadenzonen sowie in Sommermonaten. Heizwärme dominiert die Jahresbilanz.

Großraumbüro

Hohe Personen- und IT-Dichte. Innenlast 300–400 W/AP. Kernzone benötigt Ganzjahreskühlung. Lüftung über zentrale RLT-Anlage mit Wärmerückgewinnung (WRG ≥ 70 %) zwingend erforderlich.

Call-Center

Höchste Belegungsdichte (ca. 8–10 m²/Person). IT-Last pro Person hoch (mehrere Bildschirme). Innenlast bis 500 W/AP. Kühlenergie dominiert ganzjährig; Außenluft muss im Sommer auf 25 °C abgekühlt werden.

Serverraum / RZ

8.760 h/a Betrieb, Innenlast 500–2.000 W/m². Kühlung rund um die Uhr mit redundanter Anlage. Wärmeabgabe kann zur Büroheizung genutzt werden (free cooling invertiert). PUE-Wert 1,2–1,8 typisch.

Energiebenchmarks

Typische Energieverbrauchskennwerte: Altbau vs. Neubau

Die Kennwerte für Bürogebäude zeigen die drastischen Unterschiede zwischen unsanierten Altbauten aus den 1970–1990er Jahren und modernen Neubauten nach aktuellem GEG. Das Energieaudit muss diese Benchmarks kennen, um die berechneten Werte zu plausibilisieren.

Altbau (Baujahr 1970–1990)
Heizwärmebedarf
80–150 kWh/(m²a)
Spez. Heizlast
50–80 W/m²
Beleuchtungsstrom
30–60 kWh/(m²a)
Klimaanlage/Kühlung
40–80 kWh/(m²a)
Gesamtenergie
200–350 kWh/(m²a)
Fenster U-Wert
2,5–3,5 W/(m²K)
Lüftung
Oft nur Fensteröffnung oder veraltete Anlage ohne WRG
Neubau (GEG-Niveau, nach 2020)
Heizwärmebedarf
30–60 kWh/(m²a)
Spez. Heizlast
20–35 W/m²
Beleuchtungsstrom
10–20 kWh/(m²a) (LED mit Tageslichtregelung)
Klimaanlage/Kühlung
15–40 kWh/(m²a) mit Freikühlung
Gesamtenergie
80–150 kWh/(m²a)
Fenster U-Wert
0,9–1,2 W/(m²K), Dreifachverglasung
Lüftung
Zentrale RLT mit WRG ≥ 70 %, Freikühlung, CO₂-Regelung

Monatlicher Heizwärmebedarf (Altbau, typisches Verwaltungsgebäude)

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Zonierung

Kern-, Fassaden- und Sonderzonen: Warum Zonierung entscheidend ist

Das Gebäude muss in energetische Zonen aufgeteilt werden, die unterschiedliche Heiz- und Kühlprofile aufweisen. Eine einheitliche Berechnung für das gesamte Bürogebäude verzerrt die Bilanz erheblich.

Fassadenzone (Perimeter)

4–6 m Tiefe

Saisonaler Heiz- und Kühlbedarf. Solare Lasten durch Fenster. WRG in Lüftung sinnvoll. Sonnenschutz reduziert Kühlbedarf um 30–50 %.

Kernzone (Core)

Innen, keine Außenwand

Ganzjahreskühlung durch IT- und Personenlasten. Kein natürlicher Heizwärmebedarf. Freikühlung über Außenluft in Übergangszeit und Winter nutzbar.

Fassadenzone (Ost/Nord)

4–6 m Tiefe

Geringere solare Lasten. Heizwärmebedarf im Winter. Natürliche Lüftung über Öffnungsflügel teilweise möglich. Weniger Kühlbedarf als Südfassade.

Sonderzone: Serverraum

Serverräume sind als eigene Zone mit 8.760 h/a Betrieb und IT-Dichte von 500–2.000 W/m² zu bilanzieren. Die anfallende Abwärme kann über Wärmerückgewinnung für die Büroheizung genutzt werden, besonders wirtschaftlich in Kombination mit einer Wärmepumpe. Der PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) ist als Kennzahl im Audit auszuweisen.

Kühlung

Kühlsysteme und Freikühlung: Stromeffizienz im Fokus

Die Kühlung ist in modernen Bürogebäuden oft der größte Einzelverbraucher. Die Wahl des Kühlsystems und die Nutzung von Freikühlung bestimmen die Jahresarbeitszahl (JAZ) der Kälteanlage und damit die Stromkosten maßgeblich.

Kühlsystem COP / JAZ Investition Geeignet für Freikühlung
Kompressionskältemaschine (Standard) COP 2,5–3,5 Mittel Alle Gebäudegrößen Begrenzt (Bypass möglich)
Rückkühler mit Freikühlung JAZ 5–8 (saisonal) Mittel–hoch Ab 500 kW Kälteleistung Ja, Außenluft < 12 °C
Nachtauskühlung (RLT) COP ∞ (nur Lüfterenergie) Gering (RLT vorhanden) Schwere Massivbauten Ja, Nacht < 18 °C
Sorptionskälte (Adsorption) COP 0,5–0,8 (thermisch) Hoch Ab 100 kW, KWK-Kombination Nein (nutzt Abwärme)
Bauteilkühlung (BKT) JAZ 6–10 Hoch (Neubau) Neubau, niedrige Kühllasten Ja, ideal mit Grundwasser

Freikühlung (free cooling)

Wenn die Außentemperatur unter 18–20 °C liegt, kann die RLT-Anlage den Kältebedarf ohne mechanische Kältemaschine decken. In Deutschland sind das typisch 4.000–5.000 Stunden/Jahr. Ergebnis: 30–50 % Einsparung der mechanischen Kühlenergie. Im Audit muss die Freikühlfähigkeit der Anlage und das Temperaturniveau der Kaltwasseranlage erfasst werden.

Nachtauskühlung

Massivbauten mit Betonkernaktivierung speichern die Kälte der Nacht und nutzen diese tagsüber. Die RLT-Anlage läuft nachts mit hohem Luftwechsel (4–8 h⁻¹) und kühlt die Speichermasse auf 20–22 °C ab. Bei geeignetem Gebäude reduziert das die mechanische Kühlung um 40–60 %. Voraussetzung: Nachtaußentemperatur < 18 °C (in Deutschland an ca. 200 Nächten/Jahr).

RLT und Beleuchtung

Raumlufttechnik und Beleuchtungseffizienz im Bürogebäude

Lüftungsanlage und Beleuchtung sind nach Heizung und Kühlung die wichtigsten Energieverbraucher. Das Audit muss beide Systeme detailliert erfassen.

Wärmerückgewinnung (WRG)

Moderne RLT-Anlagen in Bürogebäuden sollten eine WRG-Effizienz von mindestens 70 % (besser 80–85 %) aufweisen. Altanlagen aus den 1990er Jahren ohne WRG haben spezifische Lüftungswärmebedarfe von 20–40 kWh/(m²a). Mit WRG sinkt dieser auf 5–10 kWh/(m²a). Im Audit: WRG-Effizienz aus Anlagenunterlagen oder Messung ermitteln.

CO₂-gesteuerte Lüftung

Bedarfsgeführte Lüftung mit CO₂-Sensoren reduziert den Luftwechsel in teilbelegten Räumen um 30–60 %. Besonders effektiv in Besprechungsräumen und Großraumbüros mit variabler Belegung. Investment: 5.000–15.000 € je Regelzone. Amortisation: 3–6 Jahre. Im Audit als Maßnahme empfehlenswert wenn RLT vorhanden.

LED-Umrüstung

Veraltete T8-Leuchtstofflampen (35–40 W/Leuchtmittel) durch LED (14–18 W) ersetzen spart 50–60 % Beleuchtungsenergie. Im Bürogebäude macht Beleuchtung 20–35 % des Stromverbrauchs aus. Mit Tageslichtregelung und Präsenzmelder: weitere 30–50 % Reduktion. Gesamteinsparung: 60–80 % gegenüber alter Leuchtstoffanlage. Amortisation: 2–4 Jahre.

Sonnenschutzsteuerung

Automatische Jalousiensteuerung nach Sonnenstand und Globalstrahlung reduziert den solaren Wärmeeintrag und damit die Kühlenergie um 25–45 %. Gleichzeitig muss verhindert werden, dass bei diffuser Strahlung unnötig Beleuchtungsenergie verbraucht wird. Intelligente Systeme integrieren Tageslichtregelung und Sonnenschutz in einer Gesamtsteuerung.

Zertifizierung

DGNB, BREEAM und LEED: Das Gebäudeaudit als Grundlage

Internationale Nachhaltigkeitszertifizierungen setzen eine nachvollziehbare energetische Bilanzierung voraus – die das Gebäudeaudit nach DIN V 18599 liefert. Alle drei Systeme bewerten Energie, Komfort, Materialien und Nachhaltigkeit.

Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen

Das DGNB-System bewertet Ökologie (Primärenergie, CO₂, Ressourcen), Ökonomie (Lebenszykluskosten), soziokulturellen Komfort und technische Qualität. Die Zertifizierungsnoten reichen von Bronze bis Platin. Das Energieaudit liefert alle Eingangsdaten für die ökologische Bewertung.

Basis: DIN V 18599 / GEG

Building Research Establishment Environmental Assessment Method

BREEAM ist das weltweit meistgenutzte Nachhaltigkeitssystem für Gebäude mit Ursprung in Großbritannien. Bewertet werden Energie, Gesundheit, Transport, Wasser, Material, Abfall und Ökologie. Stufen: Pass, Good, Very Good, Excellent, Outstanding. Energetisches Monitoring-Konzept ist Pflicht.

International · 50+ Länder

Leadership in Energy and Environmental Design

LEED ist das US-amerikanische Pendant, weltweit bei internationalen Konzernimmobilien eingesetzt. Punkte-System für Energie, Wasser, Innenraumqualität, Innovation und regionale Prioritäten. Stufen: Certified, Silver, Gold, Platinum. Energiemodellierung nach ASHRAE 90.1 ist Standard, europäische Äquivalenz mit DIN V 18599 möglich.

US-Standard · weltweit akzeptiert
Synergieeffekt: Ein gut dokumentiertes Gebäudeaudit nach DIN V 18599 liefert alle für DGNB und BREEAM benötigten Energiedaten und Nachweise – und spart so erhebliche doppelte Erhebungsarbeit. Beim Neubau empfiehlt sich die Integration beider Prozesse von Beginn an.
FAQ · 5 Fragen

Häufige Fragen zum Energieaudit im Bürogebäude

Präzise Antworten zu Innenlasten, Zonierung, Kühlsystemen, Energiebenchmarks und Zertifizierung.

In Bürogebäuden entstehen interne Wärmelasten aus drei Quellen: Personen (ca. 80–100 W sensibel je Person), IT-Geräte (Desktop-PC ca. 100–150 W, Laptop ca. 50–80 W, 2 Monitore ca. 40–80 W) sowie Bürotechnik (Drucker, Kopierer, ca. 20–40 W Anteil je Arbeitsplatz).

Je Arbeitsplatz summieren sich die Lasten auf typisch 250–400 W. In Großraumbüros mit hoher IT-Dichte und mehreren Monitoren kann die Last bis 500 W/AP steigen. Hinzu kommt die solare Einstrahlung über Fensterflächen. Diese hohen Innenlasten dominieren die Kühlenergiebilanz und erfordern in Kernzonen Ganzjahreskühlung.

Einzelbüros haben niedrigere IT-Dichte (ein Arbeitsplatz pro Raum), geringere Personenlasten und geringeren Lüftungsbedarf als Großraumbüros oder Call-Center. Im Energieaudit wird zoniert: Kernzone (innen, keine Außenwände) hat ganzjährig Kühlbedarf und keinen oder negativen Heizwärmebedarf.

Die Fassadenzone (perimeter zone, ca. 4–6 m Tiefe) weist saisonalen Heiz- und Kühlbedarf auf, stark beeinflusst von Orientierung und Fensterflächenanteil. Call-Center haben die höchsten Innenlasten (>400 W/AP) und benötigen fast ganzjährig Kühlung. Diese Zonierung ist entscheidend für die korrekte Bilanzierung.

Bei einer Nettogrundfläche über 3.000 m² und hoher IT-Dichte ist eine vollständige Klimatisierung (Heizen, Kühlen, Lüften, Befeuchten) in der Regel komfortrechtlich geboten. Kleinere Gebäude können mit dezentraler Lüftung und passivem Sonnenschutz auskommen.

Freikühlung (free cooling) durch Außenluft nutzt Temperaturen unter 18–20 °C und spart 30–50 % der mechanischen Kühlenergie. In Deutschland sind das rund 4.000–5.000 Stunden pro Jahr. Nachtauskühlung über RLT-Anlage kann zusätzlich die Speichermasse des Gebäudes zur Kühlung der Folgetage nutzen – effektiv besonders in Massivbauten.

Typische Kennwerte: Heizwärmebedarf Altbau 80–150 kWh/(m²a), Neubau nach GEG 30–60 kWh/(m²a). Spezifische Heizlast: Altbau 50–80 W/m², Neubau 20–35 W/m². Stromverbrauch für Beleuchtung und IT: 50–100 kWh/(m²a). Klimaanlage und Kühlung: 20–60 kWh/(m²a) je nach Glasflächenanteil und IT-Last.

Gesamtstromverbrauch modernes Bürogebäude: 80–150 kWh/(m²a). Ältere Gebäude mit veralteter Beleuchtung (Leuchtstoffröhren ohne Tageslichtregelung) und ineffizienten Klimaanlagen ohne WRG können 200–350 kWh/(m²a) Gesamtenergie erreichen. Diese Benchmarks sind Plausibilisierungsreferenz im Audit.

Drei internationale Zertifizierungssysteme sind für Bürogebäude relevant: DGNB (Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen) bewertet Ökologie, Ökonomie, Soziales und Technik; das Energieaudit nach DIN V 18599 bildet die Berechnungsgrundlage. BREEAM (britisch-europäisch) verlangt energetische Bilanzierung und ein Monitoring-Konzept.

LEED (US-amerikanisch, international) bewertet Energie, Wasser, Material und Innenraumqualität; Energiemodellierung nach ASHRAE 90.1, wobei DIN V 18599 als äquivalent anerkannt werden kann. Alle drei Systeme erfordern eine nachvollziehbare, zonenbasierte energetische Bilanzierung – die das Gebäudeaudit im Detail liefert.

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