Tageslicht ist die energieeffizienteste Lichtquelle überhaupt — und kostenlos. Im Gebäudeaudit wird quantifiziert, wie gut ein Gebäude Tageslicht nutzt und welche Maßnahmen den kA-Faktor in der Beleuchtungsbilanz verbessern.
Der Tageslichtquotient D ist das zentrale Maß für die natürliche Belichtungsqualität eines Raumes. Er beschreibt, wie viel Prozent des Außenlichts an einem bestimmten Innenpunkt ankommt — gemessen unter dem Normbezugshimmel (CIE-Bedeckthimmel).
Zwei simultane Luxmeter: eines innen am Messpunkt, eines außen auf einer freien Horizontalfläche. Das Verhältnis E_innen / E_außen × 100 ergibt D in Prozent. Alternativ: Simulation mit DIALux oder Radiance auf Basis der Gebäudegeometrie und Verglasungskennwerte.
Als Faustregel gilt: Ein Fensterflächenanteil von mindestens 20 % der Wandfläche ist nötig, um D ≥ 2 % zu erreichen. Die nutzbare Raumtiefe beträgt grob 2,5× die Fensterhöhe. Tiefere Räume werden in den hinteren Zonen mit D < 1 % bewertet.
Der Lichttransmissionsgrad τv gibt an, welcher Anteil des sichtbaren Lichts durch eine Verglasung gelangt. Er ist neben dem Wärmedurchgangskoeffizienten U und dem Gesamtenergiedurchlassgrad g der dritte entscheidende Kennwert für die Gebäudeauditbewertung.
Sonnenschutzgläser mit g = 0,3 haben typisch τv = 0,35. Das heißt: Zwar reduziert sich der Wärmeeintrag erheblich (geringere Kühllast im Sommer), aber gleichzeitig gelangt weniger als die Hälfte des Tageslichts in den Raum. Im Gebäudeaudit wird dieser Kompromiss transparent gemacht: Oft ist eine außenliegende Verschattung (Jalousie, Außenrollo) energetisch günstiger als fest verbautes Sonnenschutzglas, weil sie im Winter den vollen Tageslicht-Eintrag erlaubt.
Der kA-Faktor fasst die Tageslichtgüte einer Bilanzone in einer einzigen Zahl zusammen. Je besser Tageslicht durch Verglasung, Geometrie und Lichtlenksysteme genutzt wird, desto niedriger der kA-Wert und desto weniger Kunstlichtstrom wird verbraucht.
Ein kA-Wert von 0,3 statt 1,0 bedeutet 70 % weniger Beleuchtungsenergie aus dem Netz — allein durch bessere Tageslichtnutzung, ohne eine einzige Lampe auszutauschen. Das verdeutlicht, warum Tageslicht die erste Priorität in der Maßnahmen-Hierarchie hat.
Standardmäßig reicht Tageslicht in Büroräumen nur ca. 4 m von der Fensterwand entfernt aus. Lichtlenksysteme verändern den Einfallswinkel des Tageslichts, reflektieren es zur Decke und verteilen es bis 7 m tief in den Raum.
Horizontale Verglasung (Sheddächer, Lichtkuppeln) ist für die Tageslichtausbeute weit effizienter als vertikale Fensterflächen gleicher Größe. Atrien und Innenhöfe verbinden Tageslichtversorgung mit thermischer Pufferzone.