Solarthermie · DIN V 18599

Solarthermie in DIN V 18599

Flach- und Vakuumröhrenkollektoren, Solarertrag und Integration in die Heizungsbilanz – systematische Bewertung für den Energieaudit nach GEG mit Primärenergiefaktor 0,0.

Kollektortypen & η-Kennwerte
350–520 kWh/(m²·a) Ertrag
fp = 0,0 Primärenergie
55–65 % TWW-Deckung
0,0Primärenergiefaktor Solar
350–520kWh/(m²·a) Jahresertrag
55–65 %TWW-Deckungsgrad
DrainbackÜberhitzungsschutz
300 L Speicher Flachkollektor → Pufferspeicher

Solarwärme als kostenfreie Primärenergiequelle

Solarthermische Anlagen wandeln Sonnenstrahlung direkt in Wärme um und werden in DIN V 18599 mit einem Primärenergiefaktor von fp = 0,0 bewertet. Das macht sie zu einer der wenigen Technologien, die den Primärenergiebedarf eines Gebäudes ohne Abzüge reduzieren – unabhängig davon, ob die Wärme für Trinkwarmwasser oder Heizung genutzt wird.

Für den GEG-Nachweis ist die korrekte Bilanzierung der Solaranlage nach DIN V 18599 entscheidend. Kollektorfläche, Typ, Ausrichtung, Neigung, Verschattung und Speichervolumen gehen als Eingabeparameter in die Simulation ein. Das Ergebnis – der berechnete Solarertrag – reduziert den Energiebedarf des konventionellen Erzeugers in der Bilanz.

Kollektortechnik

Kollektortypen und Kennwerte

Die thermische Effizienz eines Kollektors wird durch den optischen Wirkungsgrad η₀ und den Wärmeverlustkoeffizienten a₁ charakterisiert. Diese Kennwerte fließen direkt in die 18599-Simulation ein.

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FlachkollektorStandard für Wohngebäude

η₀ (optischer WG)0,75–0,82
a₁ (Wärmeverlust)3,5–4,5 W/(m²K)
Jahresertrag Süd/45°350–450 kWh/(m²·a)
Anwendungstemperaturbis ca. 80 °C
Kosten Kollektor250–400 €/m²
WartungsaufwandGering
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VakuumröhrenkollektorFür anspruchsvolle Anwendungen

η₀ (optischer WG)0,68–0,78
a₁ (Wärmeverlust)1,2–2,0 W/(m²K)
Jahresertrag Süd/45°400–520 kWh/(m²·a)
Anwendungstemperaturbis ca. 150 °C
Kosten Kollektor450–700 €/m²
WartungsaufwandMittel (Röhren prüfen)
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Konzentrator/HochtemperaturIndustrie und Prozesswärme

η₀ (optischer WG)0,55–0,75
a₁ (Wärmeverlust)0,5–1,5 W/(m²K)
Jahresertrag300–600 kWh/(m²·a)
Anwendungstemperatur150–400 °C
Kosten Kollektor800–2.000 €/m²
Tracking-SystemEinachsig oder zweiachsig

Wirkungsgradkurve verstehen

Der Wirkungsgrad η eines Kollektors bei einer bestimmten Betriebssituation hängt von der Temperaturdifferenz zwischen Kollektor und Umgebung ab:

η = η₀ − a₁ × (T_m − T_a) / G

T_m = mittlere Kollektortemperatur, T_a = Außentemperatur, G = Globalstrahlung [W/m²]

  • Flachkollektor bei niedriger ΔT: Hoher η₀ macht ihn bei kleinen Temperaturdifferenzen (Sommer, TWW-Temperatur 55 °C, Außentemp. 25 °C) dem Vakuumröhrenkollektor ebenbürtig.
  • Vakuumröhrenkollektor bei hoher ΔT: Niedriger a₁-Wert macht ihn bei großen Temperaturdifferenzen (Winter, Außentemp. −5 °C) deutlich effizienter.
  • Simulation in 18599: T-SOL und POLYSUN berechnen den stündlichen Ertrag auf Basis von Strahlungsdaten (Testreferenzjahr TRY) und Kollektorkennwerten.
Saisonaler Ertrag

Saisonaler Solarertrag und Auslegung

Der Solarertrag variiert stark nach Jahreszeit. Die Auslegung muss den Sommerbetrieb (Überangebot) und den Winterbetrieb (Unterangebot) gleichzeitig berücksichtigen.

Winter
20–60
kWh/(m²·Monat)
Frühling
60–100
kWh/(m²·Monat)
Sommer
90–140
kWh/(m²·Monat)
Herbst
30–75
kWh/(m²·Monat)
Anlagentyp Kollektorfläche Speichervolumen TWW-Deckungsgrad Typische Anwendung
TWW-Anlage klein (1–2 Pers.)1–2 m²100–200 l55–65 %Einfamilienhaus
TWW-Anlage mittel (3–5 Pers.)3–6 m²200–400 l55–65 %Einfamilienhaus, Doppelhaus
TWW + Heizungsunterstützung (WE)3–5 m² je WE500–1.000 l55–65 % TWWMehrfamilienhaus, Reihenhaus
Große TWW-Anlage (Gewerbe)1–1,5 m² je Person50–80 l/m² Kollektor50–60 %Hotel, Krankenhaus, Sportanlage
Solare Prozesswärme (Gewerbe)individuellindividuell30–60 %Brauerei, Molkerei, Wäscherei
Saisonale Speicheranlage10–20 m² je WEm³-Bereichbis 90 %Nahwärme, Energiegemeinschaft
Systemtechnik

Überhitzungsschutz und Systemintegration

Im Sommer liefern Solaranlagen mehr Wärme als benötigt. Ohne geeignete Schutzmaßnahmen kommt es zur gefährlichen Überhitzung des Solarfluids.

Drainback-System

Im Drainback-System läuft das Solarfluid bei Stillstand der Pumpe vollständig in einen tiefer gelegenen Behälter zurück. Die Kollektoren bleiben dadurch leer und können sich nicht überhitzen. Kein Druckaufbau, keine Stagnation, kein Abbau des Wärmeträgers. Technisch aufwendiger, aber langlebiger und wartungsärmer als geschlossene Systeme mit Sicherheitsventil.

Stagnationsmanagement

In geschlossenen Systemen ohne Drainback kann die Vorlauftemperatur im Stagnationsfall auf 200–300 °C steigen. Das schädigt das Solarfluid (Propylenglykol-Wasser-Gemisch) und setzt es unter Druck. Abhilfe: regelmäßige Fluidanalyse und Austausch alle 3–5 Jahre, Sicherheitsventil korrekt dimensionieren, Ausdehnungsgefäß groß genug wählen. Vakuumröhrenkollektoren mit Heatpipe-Technologie reduzieren die Stagnationstemperatur konstruktiv.

Schichtenspeicher und Pufferspeicher

Für Kombianlagen (TWW + Heizungsunterstützung) wird ein Pufferspeicher als zentrales Bindeglied zwischen Solar, konventionellem Erzeuger und Verbrauchern verwendet. Schichtungslader und interne Pufferzonen verbessern die solare Nutzung deutlich gegenüber durchmischten Speichern. Bivalenzpunkt: die Temperatur, unterhalb derer der konventionelle Erzeuger einschaltet (typisch 45–50 °C).

Denkmalgeschützte Gebäude

Auf Denkmalgebäuden können Solarkollektoren nicht immer auf dem Dach montiert werden. Optionen: In-Dach-Integration mit denkmalschutzgerecht gestalteten Kollektoren, Montage an Nebenanlagen oder Garagen, indirekte Einspeisung aus separatem Gebäude über Übergabestation. Die Denkmalschutzbehörde muss frühzeitig einbezogen werden; Vorabgespräch vor Planung empfohlen.

Technologievergleich

Solarthermie vs. PV + Wärmepumpe

Die strategische Frage bei begrenzter Dachfläche: Solarthermie für direkte Wärmeerzeugung oder Photovoltaik für Strom, der eine Wärmepumpe antreibt?

Solarthermie

  • Direkteste Umwandlung von Strahlung in Wärme (höhere Flächeneffizienz für Wärmeerzeugung)
  • Keine Stromtransformation notwendig (weniger Verluste für reine Wärmeanwendungen)
  • Attraktiv bei sehr hohem TWW-Bedarf (Hotels, Sportanlagen, Krankenhäuser)
  • Niedrige Betriebskosten nach Amortisation
  • Nur Wärme – keine Nutzung für Haushaltsstrom, E-Mobilität, Beleuchtung
  • Sommer-Überangebot schwer nutzbar; Überhitzungsmanagement nötig
  • Verliert zunehmend Marktanteile gegenüber PV-Systemen
  • Wartungsintensiver (Fluid, Dichtungen, Sicherheitsventil)

PV + Wärmepumpe

  • Flexibel: Strom für Heizung, Kühlung, Haushalt, E-Auto und Einspeisung
  • Wärmepumpen-COP von 3–5 verstärkt die Solarstromnutzung erheblich
  • Geringere Wartungsanforderungen (keine Wärmeträgerflüssigkeit)
  • Einspeisevergütung und Eigenverbrauchsoptimierung möglich
  • Höherer Systemaufwand (Wechselrichter, Batteriespeicher optional)
  • Im Winter bei Dunkelheit und hohem Heizbedarf stark auf Netzstrom angewiesen
  • Strom-Wärmepumpe-Kette hat systemische Verluste (2–3 Wandlungsstufen)

Empfehlung für die Praxis

  • Wohngebäude Neubau und Sanierung: PV + Wärmepumpe ist in den meisten Fällen wirtschaftlich attraktiver und flexibler. Solarthermie nur wenn keine Wärmepumpe sinnvoll ist (z. B. Gaskessel bleibt wegen Denkmalschutz).
  • Gewerbliche Gebäude mit hohem TWW-Bedarf: Solarthermie weiterhin attraktiv (Hotels, Sporthallen, Krankenhäuser, Wäschereien). Simulations-Vergleich T-SOL vs. PV*SOL empfohlen.
  • Gemischte Strategie: Kombination möglich – PV auf größerem Dachbereich, Solarthermie auf kleinerem Abschnitt für dedizierte TWW-Versorgung.
  • GEG-Auswirkung: Beide Technologien verbessern den GEG-Nachweis. Solarthermie mit fp = 0,0 bringt den Primärenergiebedarf direkt auf null für den genutzten Anteil; PV-Strom für Wärmepumpe reduziert den Endenergiebedarf über den COP.
GEG-Nachweis

Solaranlage im GEG-Nachweis und 18599-Bilanz

Für die korrekte Behandlung der Solaranlage im Energieaudit und GEG-Nachweis sind folgende Bilanzierungsregeln und Eingabeparameter zu beachten.

Bilanzierungsansatz DIN V 18599

Die Solarthermieanlage wird in Teil 5 (Heizung) oder Teil 8 (TWW) als Erzeuger bilanziert. Der Solarertrag Q_sol hängt ab von: Kollektorfläche (Aperturfläche), Orientierung und Neigung (Optimum: Süd, 35–45°), Verschattungsanalyse, Kollektorkennwerten (η₀, a₁), Betriebstemperatur des Systems und Speichergröße. Simulationsprogramme T-SOL und POLYSUN berechnen den stündlichen Ertrag auf Basis des Testreferenzjahrs (TRY) für den Standort.

Primärenergiefaktor und Energieausweis

Solarwärme erhält den Primärenergiefaktor fp = 0,0. Das bedeutet: Jede kWh solar erzeugte Wärme zählt mit Null im Primärenergieausweis. In der GEG-Energiebilanz reduziert der Solarertrag den Endenergiebedarf des konventionellen Erzeugers, verbessert damit Energieeffizienzklasse und CO₂-Bilanz. Für Förderprogramme (BEG, BAFA) ist die korrekte Solarertrag-Bilanzierung Bestandteil des förderfähigen Sanierungsfahrplans.

Eingabe Kollektorfläche

Aperturfläche in m² (nicht Bruttofläche). Ausrichtung in Grad Azimut (0° = Süd), Neigung in Grad.

Verschattungsanalyse

Horizont, Nachbargebäude, Schornsteine, Dachaufbauten. Software: PVsyst, PVSOL, T-SOL mit Verschattungsmodul.

Speicherparameter

Speichervolumen, Wärmeverlust (UA-Wert), Temperaturniveaus, Schichtungsmöglichkeiten.

Systemverluste

Rohrführungsverluste, Wärmetauscherverluste, Regler-Hilfsenergie – alle in 18599 zu berücksichtigen.

Praxistipps

Checkliste Solarthermie im Energieaudit

FAQ

Häufige Fragen zur Solarthermie

Solarpotenzial Ihres Gebäudes berechnen lassen

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