Berechnungssoftware & Tools

Software für DIN V 18599 Gebäudeenergieberechnungen

Die Wahl der richtigen Berechnungssoftware entscheidet über Arbeitsaufwand, Genauigkeit und amtliche Verwendbarkeit des Energienachweises. Diese Übersicht stellt die wichtigsten Werkzeuge sachlich vor — von DIBt-zertifizierten Standardlösungen bis zu dynamischen Simulationsumgebungen.

DIBt-Zulassungsanforderungen
Statisch vs. dynamisch: Vergleich
Kosten, BIM-Integration, Auswahlhilfe
DIBtZulassung für amtl. Nachweis
30–70 %Zeitersparnis vs. manuell
5–10Audits bis Amortisation

Anforderungen an GEG-konforme Berechnungssoftware

Für den amtlichen GEG-Nachweis ist eine DIBt-Zulassung (Deutsches Institut für Bautechnik) zwingend erforderlich. Das DIBt prüft Berechnungssoftware anhand standardisierter Referenzgebäude und verifiziert die Normenkonformität mit den gültigen technischen Regeln.

DIBt-Zulassungsprozess: Die Software muss anhand vorgegebener Referenzgebäude (Vergleichsrechnungen mit bekannten Sollwerten) eine Übereinstimmung der Ergebnisse innerhalb festgelegter Toleranzen nachweisen. Die Zulassung ist zeitlich befristet und muss bei Normänderungen erneuert werden. Nicht zugelassene Software (z.B. Open-Source-Tools) darf für Planungszwecke und interne Analysen eingesetzt werden, gilt aber nicht als amtlicher Nachweis.

Arten der Berechnungsmethodik

Statische Monatsbilanz

Berechnung monatsweise mit gemittelten Klimadaten (Testreferenzjahr TRY). Aufwand: 1–3 Tage Modellerstellung. Genauigkeit: ausreichend für Standardgebäude und Regelnachweis. Basis aller DIBt-zugelassenen GEG-Berechnungsprogramme.

Quasi-stationäre Stundensimulation

Berechnung stündlich mit Monatsmittelwerten als Basis. Ermöglicht Tagesprofil-Auflösung bei überschaubarem Rechenaufwand. Mittelweg zwischen statisch und dynamisch — von einigen deutschen Softwareprodukten unterstützt.

Dynamische Simulation (stündlich)

Berechnung stündlich oder minütlich mit tatsächlichen Klimazeitreihen. Aufwand: 3–10 Tage Modellerstellung. Genauigkeit: 5–15 % besser als statisch bei Speichermassen, Regelungsszenarien und Sonderprojekten.

Marktübersicht der wichtigsten Software-Tools

Die folgende Übersicht beschreibt führende Berechnungstools sachlich und ohne Wertung. Preise und Verfügbarkeit können sich ändern — Angaben basieren auf öffentlich verfügbaren Informationen (Stand 2025).

IDA-ICE (EQUA Simulation AB)
Dynamisch Zugelassen*
Stündlich
Zeitauflösung
3.000–8.000 €
Lizenz einmalig
3–10 Tage
Modellaufbau

Vollständige dynamische Gebäudesimulation auf Stundenbasis. Schwedische Software mit internationaler Verbreitung. Besonders geeignet für komplexe Projekte mit ausgefeilten Regelungsszenarien, Komfortbewertungen und Speichermassenoptimierung. Hohe Lernkurve: Einarbeitung 2–5 Tage.

Höchste Genauigkeit
Hoher Einarbeitungsaufwand
Komplexe Regelungen
Hohe Lizenzkosten
EnergyPlus / OpenStudio (DOE, USA)
Open Source Dynamisch
Minütlich
Zeitauflösung
Kostenfrei
Lizenz Engine
5–15 Tage
Modellaufbau

Freie Simulationsengine des US-Energieministeriums (DOE). Keine eigene GUI — Bedienung über OpenStudio oder DesignBuilder (letzteres kostenpflichtig). Nicht DIBt-zugelassen, daher nicht für amtliche GEG-Nachweise verwendbar. Für Forschung, Variantenvergleiche und Spezialprojekte weltweit verbreitet.

Kostenfrei verfügbar
Kein amtlicher DE-Nachweis
Maximale Flexibilität
Sehr steile Lernkurve
Hottgenroth / ETU Software
DIBt-zugelassen
Monatlich
Zeitauflösung
800–2.000 €/a
Jahreslizenz
1–3 Tage
Modellaufbau

Marktführende Lösung im deutschen Energieberatungsmarkt. Vollständige DIBt-Zulassung für GEG-Nachweise bei Wohn- und Nichtwohngebäuden. Integrierter Energieausweis-Druck, GEG-Konformitätsprüfung und Sanierungsfahrplan-Modul. Breite Nutzung bei deutschen Energieberatern, guter Support und regelmäßige Updates bei Normenänderungen.

Amtlicher GEG-Nachweis
Nur statische Monatsbilanz
Niedriger Einarbeitungsaufwand
Eingeschränkte Exportoptionen
iSFP-Tool (dena)
Kostenfrei Für Wohngebäude
Vereinfacht
Methodik
0 €
Kosten zugelassene Berater
0,5–1 Tag
Modellaufbau

Digitales Werkzeug der Deutschen Energie-Agentur für den individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP). Kostenfrei für BEG-zugelassene Energieberater. Vereinfachte Berechnungsgrundlage — kein vollständiger DIN V 18599-Nachweis, aber für Wohngebäude-Sanierungsberatung weitgehend ausreichend. Direkte dena-Schnittstelle für den Sanierungsfahrplan-Druck.

Kostenfrei für Berater
Nur Wohngebäude
Sehr schnell erlernbar
Vereinfachte Methodik
Passivhaus Projektierungspaket (PHPP)
Tabellenkalkulation
Monatlich
Zeitauflösung
ca. 200 €
Einmalig
1–2 Tage
Modellaufbau

Excel-basiertes Berechnungswerkzeug des Passivhausinstituts Darmstadt. Keine DIBt-Zulassung für GEG-Nachweise von Nichtwohngebäuden. Sehr gut für Planungsoptimierung bei Niedrigenergie- und Passivhäusern im Wohnungsbau. Ergebnisse liegen typischerweise innerhalb 10 % gegenüber DIBt-zugelassenen Programmen bei einfachen Geometrien.

Niedrige Kosten
Kein amtlicher NWG-Nachweis
Transparente Berechnung
Nur einfache Geometrien
DesignBuilder (DesignBuilder Software Ltd.)
Dynamisch EnergyPlus-Frontend
Stündlich
Zeitauflösung
1.500–4.000 €
Lizenz einmalig
3–8 Tage
Modellaufbau

Grafische Benutzeroberfläche für EnergyPlus mit 3D-Modellierung direkt in der Software. Internationale Verbreitung in Ingenieurbüros. Gut geeignet für komplexe Nichtwohngebäude mit anspruchsvoller Geometrie. Schnittstellen zu IFC/Revit vorhanden. Kein direkter GEG-Nachweis DE — Ergebnisse müssen interpretiert werden.

3D-Modellierung integriert
Kein direkter GEG-Nachweis
IFC-Import
Englischsprachig

Vergleichsmatrix: Welche Software für welchen Zweck?

KriteriumHottgenroth / ETUIDA-ICEEnergyPlusiSFP-ToolPHPP
DIBt-Zulassung GEG NWGJaJa*NeinNeinNein
Dynamische SimulationNeinJaJaNeinNein
BIM/IFC-ImportTeilweiseJaJaNeinNein
Geeignet WohngebäudeJaJaJaJaJa
Geeignet NichtwohngebäudeJaJaJaNeinEingeschränkt
EinarbeitungsaufwandGeringHochSehr hochSehr geringGering
KostenniveauMittelHochGeringNullSehr gering
Energieausweis-DruckJaÜber ExportNeinJa (WG)Nein

* IDA-ICE: DIBt-Zulassung in bestimmten Modulkonfigurationen, Details beim Hersteller anfragen. Markt ist im Wandel — immer aktuelle DIBt-Zulassungsliste prüfen.

Typischer Berechnungsworkflow

Unabhängig von der gewählten Software folgt die Gebäudeenergieberechnung einem standardisierten Ablauf. Das folgende Diagramm zeigt die typischen Prozessschritte und ihre zeitlichen Anteile am Gesamtaufwand.

1. Datenerhebung
Vor-Ort-Begehung, Pläne, Energieverbrauchsdaten, Nutzungszeiten. Anteil: 25–35 % des Gesamtaufwands.
2. Modellaufbau
Geometrieeingabe, Zonenbildung, Materialzuweisung, Anlagentechnik. Anteil: 30–40 %.
3. Berechnung
Rechenläufe, Varianten, Plausibilitätscheck. Statisch: Minuten. Dynamisch: 1–8 Stunden je Variante.
4. Validierung
Vergleich mit Verbrauchsdaten, Plausibilitätsprüfung Energiekennwerte, ggf. Korrektur des Modells.
5. Bericht
Energieausweis-Erstellung, Maßnahmenableitung, Sanierungsfahrplan, Wirtschaftlichkeitsanalyse.

BIM-Integration: Chancen und Grenzen

IFC-Schnittstellen (Industry Foundation Classes) ermöglichen den Export von Gebäudegeometrie und Bauelementen aus CAD-Programmen in Berechnungssoftware. In der Praxis sind folgende Einschränkungen zu beachten:

Kosten, Amortisation und Auswahlstrategie

KostenpositionEinstiegs-ToolProfessional-ToolDynamische Simulation
Jahreslizenz / Anschaffung0–500 €800–2.000 €/a3.000–8.000 €
Schulungsaufwand (Tage)0,5–11–33–10
Schulungskosten (intern)200–500 €500–2.000 €2.000–8.000 €
Zeitersparnis vs. manuell30–50 %50–65 %40–60 % (nach Einarbeitung)
Amortisation (Audits)1–35–1215–30
Empfohlen fürWohngebäude, EinzelberaterNWG-Berater, mittlere BürosSpezialbüros, Sonderprojekte

Software-Auswahlhilfe: Welches Tool passt?

1

Nur Wohngebäude mit Sanierungsfahrplan?

Empfehlung: iSFP-Tool (dena) — kostenfrei, amtlich für Wohngebäude, direkte dena-Schnittstelle. Für Energieausweis zusätzlich ein DIBt-zugelassenes Wohngebäude-Programm.

2

Hauptsächlich Standard-Nichtwohngebäude (Büros, Schulen, Handel)?

Empfehlung: DIBt-zugelassene deutsche Standardsoftware (z.B. Hottgenroth ETU). Geringe Einarbeitungszeit, vollständiger GEG-Nachweis, integrierter Energieausweis, guter Support.

3

Komplexe Projekte mit Sonderanforderungen (Komfort, Speichermassen, Kühlung)?

Empfehlung: IDA-ICE für maximale Genauigkeit und Regelungsdetails. Oder DesignBuilder als EnergyPlus-Frontend bei Bedarf an 3D-Modellierung und IFC-Import. Budget für Schulung einplanen.

4

Forschung, Variantenoptimierung ohne Nachweispflicht?

Empfehlung: EnergyPlus / OpenStudio (kostenfrei). Maximale Flexibilität und Transparenz, aber erheblicher Einarbeitungsaufwand. Nicht als amtlicher GEG-Nachweis verwendbar.

Häufige Fragen zu Berechnungssoftware

Welche Anforderungen muss Berechnungssoftware für den GEG-Nachweis erfüllen?
Für den amtlichen GEG-Nachweis muss die Software vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) zugelassen sein. Das DIBt prüft die Normenkonformität anhand standardisierter Referenzgebäude. Nicht-zugelassene Software kann für interne Analysen und Planungszwecke eingesetzt werden, gilt jedoch nicht als amtlicher Nachweis und kann nicht für Energieausweise verwendet werden.
Was ist der Unterschied zwischen statischer Monatsbilanz und dynamischer Gebäudesimulation?
Die statische Monatsbilanz berechnet den Energiebedarf monatsweise mit gemittelten Klimadaten — Modellaufbau 1–3 Tage, Genauigkeit für Standardfälle ausreichend. Die dynamische Simulation rechnet stündlich mit tatsächlichen Klimazeitreihen — Modellaufbau 3–10 Tage, genauer bei Sonderlasten, Speichermassen oder komplexen Regelungen. Typische Abweichung im Ergebnis: 5–15 %.
Wie wird BIM in die Energieberechnung integriert?
IFC-Schnittstellen ermöglichen den Export von Gebäudegeometrie aus CAD-Programmen in Berechnungssoftware. Hauptproblem: BIM-Modelle enthalten oft nur Geometrie, aber keine thermischen Materialeigenschaften oder Nutzungsparameter. Diese müssen manuell ergänzt werden. Der Zeitgewinn durch BIM-Import liegt typischerweise bei 20–40 % gegenüber vollständiger Neueingabe.
Welche Software eignet sich für kleine Energieberatungsbüros?
Für kleine Büros mit primär Wohngebäude-Fokus: iSFP-Tool (dena, kostenfrei für zugelassene Berater). Für Nichtwohngebäude: DIBt-zugelassene deutsche Standardsoftware wie Hottgenroth ETU (800–2.000 €/a). IDA-ICE oder EnergyPlus lohnen sich nur für spezialisierte Büros mit Bedarf an dynamischer Simulation — höhere Einstiegshürde, längere Einarbeitungszeit und höhere Lizenzkosten machen sie für Routineprojekte unwirtschaftlich.
Wie amortisiert sich eine teure Berechnungssoftware?
Lizenzkosten von 1.000–3.000 €/a amortisieren sich typischerweise nach 5–15 Audits, je nach Honorarsatz und Projektvolumen. Die Zeitersparnis gegenüber manueller Berechnung beträgt 30–70 %, was direkt in niedrigere Kosten pro Audit oder höhere Kapazität umschlägt. Bei mittlerem Auditvolumen von 15–30 Projekten pro Jahr rechnet sich professionelle Software regelmäßig bereits im ersten Betriebsjahr.