Die vier Prozessschritte eines Heizsystems korrekt bewerten: von der Wärmeabgabe am Heizkörper bis zur Erzeugung im Kessel oder der Wärmepumpe – inklusive Aufwandszahl eH, hydraulischem Abgleich und aktuellen GEG-Anforderungen.
DIN V 18599 beschreibt das Heizsystem als Kette von vier Prozessschritten. In jedem Schritt entstehen Verluste, die die insgesamt benötigte Endenergie erhöhen. Die Gesamtaufwandszahl eH fasst alle vier Stufen in einem einzigen Kennwert zusammen.
Je höher eH, desto mehr Endenergie wird für denselben Nutzwärmebedarf benötigt. Ein modernes, optimiertes System erreicht Werte unter 1,15 – ein veraltetes Altbausystem kann leicht Werte über 1,5 aufweisen.
Die Formel eH = eP × eV × eS × eE zeigt: Jeder Prozessschritt multipliziert seinen Verlustanteil in das Endergebnis. Optimierungen an mehreren Stellen wirken synergistisch.
In jedem Schritt entstehen spezifische Verluste, die den Gesamtaufwand erhöhen. Ihre Minimierung verbessert direkt die Aufwandszahl eH.
Heizkörper, Fußbodenheizung, Konvektoren; Regelgüte und Thermostatventile sind entscheidend
Rohrleitungen in unbeheizten Bereichen; Dämmpflicht nach GEG Anlage 5 beachten
Pufferspeicher; Bereitschaftsverlust abhängig von Isolierung und Temperaturniveau
Kessel, Wärmepumpe, BHKW; dominiert die Aufwandszahl im Gesamtsystem
Die Gesamtaufwandszahl verknüpft alle vier Prozessschritte. Die Systemtemperatur beeinflusst jeden einzelnen Schritt maßgeblich.
Die Formel eH = Eend / Qnutz = eP × eV × eS × eE multipliziert die Teilaufwandszahlen. Ziel ist ein Wert so nah wie möglich an 1,0 – oder darunter bei Wärmepumpen.
Die Vorlauf-/Rücklauftemperatur bestimmt die Effizienz aller Komponenten. Besonders kritisch bei Brennwertkesseln und Wärmepumpen.
Typische Aufwandszahlen und Besonderheiten der gängigen Wärmeerzeuger nach DIN V 18599 als Orientierung für die Bilanzierung.
| Erzeugertyp | Aufwandszahl / JAZ | Systemtemperatur | Bewertung | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Gas-Brennwertkessel | qP = 0,95–1,05 | ≤ 55/45 °C (optimal) | Gut | Rücklauf < 55 °C für Kondensation erforderlich |
| Gas-NT-Kessel (veraltet) | qP = 1,05–1,15 | 75/60 °C | Mittel | Kein Kondensationsgewinn möglich |
| Ölkessel Konstanttemperatur | qP = 1,10–1,20 | ≥ 75 °C Festtemperatur | Veraltet | GEG §72: Tauschpflicht bei Brennerersatz |
| WP Luft/Wasser | JAZ = 2,5–3,5 | 35–55 °C Vorlauf | Gut | Abtauverluste bei Minustemperaturen einrechnen |
| WP Sole/Wasser | JAZ = 3,5–4,5 | 35 °C VL optimal | Sehr gut | Erdwärmebohrung genehmigungspflichtig |
| BHKW (Kraft-Wärme-Kopplung) | eP = 0,4–0,6 (Strom) | 60–80 °C Vorlauf | Komplex | Strom-Gutschrift in der Bilanzierung beachten |
Zwei oft unterschätzte Maßnahmen mit erheblichem Einsparpotenzial – und in Teilen gesetzlicher Pflicht nach dem GEG.
Ohne Abgleich fließt Heizwasser bevorzugt durch nahe Heizkörper mit geringstem Widerstand. Entfernte Räume bleiben kalt, der Regler dreht die Vorlauftemperatur hoch, der Verbrauch steigt.
Alte ungeregelte Umwälzpumpen verbrauchen 60–150 Watt Dauerstrom. Hocheffizienzpumpen mit EC-Motor und bedarfsgeregelter Drehzahl erreichen typisch 5–25 Watt.
Betriebliche und bauliche Maßnahmen, die im Energieaudit systematisch erfasst und in ihrer Wirkung bewertet werden.
Zielwert für modernes, optimiertes Gesamtsystem aller vier Prozessschritte
Typisches Einsparpotenzial bei nicht abgeglichenen Rohrnetzen
Gesetzliche Anforderung bei Pumpentausch nach ErP-Richtlinie
Fußbodenheizung ermöglicht maximale Wärmepumpeneffizienz
Der hydraulische Abgleich stellt sicher, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge erhält, die er für die gewünschte Heizleistung benötigt. Ohne Abgleich fließt das Heizwasser bevorzugt durch nahe Heizkörper mit geringstem Strömungswiderstand – entfernte Räume bleiben kalt, nahe überhitzen.
Die Konsequenzen: Bewohner beschweren sich über kalte Räume, der Verbrauchsregler dreht die Vorlauftemperatur hoch, und der Gesamtverbrauch steigt deutlich. Moderne Einstellventile an jedem Heizkörper erlauben die exakte Einstellung des maximalen Volumenstroms pro Kreis.
Alte ungeregelte Umwälzpumpen verbrauchen häufig 80–150 Watt Dauerstrom. Bei 6.000 Betriebsstunden pro Jahr ergibt das 480–900 kWh jährlich – bei Strompreisen über 30 Ct/kWh entspricht das 145–270 Euro an reinen Pumpenkosten.
Eine moderne Hocheffizienzpumpe mit EC-Motor und bedarfsgeregelter Drehzahl (EEI < 0,23) verbraucht je nach Anlagengröße nur 5–30 Watt im Teillastbetrieb. Die Jahresstromkosten sinken auf 10–55 Euro. Die Amortisation des Pumpentauschs (Kosten ca. 300–600 Euro inkl. Einbau) liegt häufig unter drei Jahren. Die bedarfsgeregelte Pumpe ermöglicht zudem eine optimale Druckregelung im Netz und reduziert Strömungsgeräusche.
Der Wirkungsgrad η gibt an, welcher Anteil der eingesetzten Energie als Nutzenergie abgegeben wird: η = Qnutz / Qein. Werte zwischen 0 und 1 sind dabei üblich. Höher ist besser.
Die Aufwandszahl e ist das Verhältnis von benötigter Endenergie zu gelieferter Nutzwärme: e = Eend / Qnutz. Sie ist im Wesentlichen der Kehrwert des Systemwirkungsgrads und kann bei Wärmepumpen unter 1,0 liegen, weil mehr Nutzwärme geliefert wird als Endenergie eingesetzt wird – die Differenz stammt aus der Umgebungswärme. Niedriger ist besser.
In der DIN V 18599 werden Aufwandszahlen bevorzugt, weil sie sich für die gesamte Prozesskette multiplikativ verknüpfen lassen: eH = eP × eV × eS × eE.
Eine Nachtabsenkung auf 16–18 °C lohnt sich in Bürogebäuden grundsätzlich immer dann, wenn ausreichend Zeit für die Wiederaufheizung zur Verfügung steht. Bei schwerer Bauweise kann die Aufheizzeit 2–3 Stunden betragen; die Heizung muss entsprechend frühzeitig anlaufen. Typische Einsparpotenziale: 10–20 % des Heizwärmebedarfs.
Bei Gebäuden mit Wärmepumpe Vorsicht: kurze starke Aufheizphasen mit hoher Vorlauftemperatur senken die JAZ deutlich. Besser: sanfteres Aufheizen über längere Zeit.
Die Systemtemperatur beeinflusst den Jahresheizwärmebedarf indirekt, aber signifikant über mehrere Wege:
Im Energieaudit wird deshalb immer geprüft, ob vorhandene Heizkörper bei abgesenkter Systemtemperatur noch ausreichend Leistung liefern.
Ein Energieaudit nach DIN EN 16247 umfasst die vollständige Analyse Ihrer Heizungsanlage – von der Aufwandszahl bis zum hydraulischen Abgleich und der Maßnahmenplanung.
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