Der Gebäudesektor trägt ca. 30 % der deutschen Treibhausgasemissionen. Der Energieaudit legt offen, welche CO₂-Lasten ein Gebäude verursacht — und welcher Pfad zur Klimaneutralität 2045 führt.
Je nach Energieträger entstehen sehr unterschiedliche CO₂-Emissionen pro Kilowattstunde. Diese Faktoren bilden die Grundlage der Gebäude-CO₂-Bilanz.
Das GHG-Protocol unterscheidet drei Emissionsbereiche. Für das Gebäudeaudit und ESG-Reporting sind vor allem Scope 1 und 2 relevant — mit klar unterschiedlichen Strategien zur Reduktion.
Anhand eines typischen Bürogebäudes wird gezeigt, wie die CO₂-Bilanz aus den Energieverbrauchsdaten berechnet wird und welche Emissionsquellen dominieren.
| Energieverbraucher | Verbrauch kWh/a | kWh/(m²a) | Energieträger | CO₂-Faktor g/kWh | CO₂-Emission t/a |
|---|---|---|---|---|---|
| Heizung (Gaskessel) | 240.000 | 120 | Erdgas | 201 | 48,2 |
| Warmwasser (Gas) | 20.000 | 10 | Erdgas | 201 | 4,0 |
| Lüftung (Strom) | 40.000 | 20 | Strom | 380 | 15,2 |
| Beleuchtung (Strom) | 60.000 | 30 | Strom | 380 | 22,8 |
| Kühlung (Strom) | 20.000 | 10 | Strom | 380 | 7,6 |
| Gesamtemissionen | 380.000 | 190 | — | — | 97,8 tCO₂/a |
| → Spezifische CO₂-Emission | 48,9 kg/(m²a) | ||||
Das Brennstoffemissionshandelsgesetz verteuert fossile Energieträger progressiv. Dies verändert die Wirtschaftlichkeitsrechnung für Energieeffizienzmaßnahmen erheblich.
| Jahr | CO₂-Preis €/tCO₂ | Aufschlag Erdgas ct/kWh | Aufschlag Heizöl ct/kWh | Mehrkosten Bürogebäude/a |
|---|---|---|---|---|
| 2021 | 25 € | 0,51 ct | 0,66 ct | ca. 1.200 € |
| 2022 | 30 € | 0,60 ct | 0,79 ct | ca. 1.440 € |
| 2023 | 30 € | 0,60 ct | 0,79 ct | ca. 1.440 € |
| 2024 | 45 € | 0,91 ct | 1,19 ct | ca. 2.160 € |
| 2025 | 55 € | 1,11 ct | 1,46 ct | ca. 2.640 € |
| 2026+ | 55–65 € | 1,11–1,32 ct | 1,46–1,72 ct | 2.640–3.120 € |
Beispielgebäude: 2.000 m² Büro, 240.000 kWh/a Erdgasverbrauch für Heizung. CO₂-Preis-Mehrkosten allein durch BEHG bei aktuellem Verbrauch. Ab 2026 wird der Preis schrittweise weiter angehoben — Investitionen in Wärmewende amortisieren sich dadurch schneller.
Der Gebäudesektor hat verbindliche Klimaschutzziele. Der Energieaudit zeigt für jedes Gebäude, wie weit der aktuelle Stand von diesen Zielen entfernt ist und welche Maßnahmen den Weg dorthin ebnen.
Der Energieaudit benennt konkrete Maßnahmen zur CO₂-Reduktion — priorisiert nach Einsparpotenzial und Wirtschaftlichkeit. Diese vier Maßnahmentypen decken den größten Teil der möglichen Reduktion ab.
Wechsel von Gas (201 g/kWh) zur Wärmepumpe mit aktuellem Strom (127 g/kWh Wärme bei JAZ=3): CO₂-Reduktion von 60–70 % sofort. Bei weiter sinkenden Stroemissionen verbessert sich die Bilanz automatisch ohne Umbau.
CO₂-Reduktion: 60–70 %Photovoltaik auf dem Dach erzeugt Strom mit ca. 25 g CO₂/kWh (Lebenszyklus) statt 380 g/kWh aus dem Netz. Eigenverbrauchsquote 30–60 % je nach Gebäudetyp. Überschuss wird eingespeist und in der Bilanz gutgeschrieben.
CO₂-Reduktion: 20–40 %Wechsel zu zertifiziertem Ökostrom (Herkunftsnachweise, EE-Direktvertrag): CO₂-Faktor sinkt auf 0–30 g/kWh für Scope-2-Berichterstattung nach GHG-Protokoll (marktbasierte Methode). Für Scope-2 nach Location-based-Methode gilt weiterhin der Netzfaktor.
Scope-2 CO₂: auf ~0 reduziertAnschluss an ein dekarbonisiertes Fernwärmenetz (Geothermie, Großwärmepumpe, Abwärme) kann die CO₂-Bilanz auf 30–80 g/kWh Wärme reduzieren. Entscheidend ist der Nachweis des Versorgers über den spezifischen Emissionsfaktor.
CO₂ je nach Netz: bis −85 %CO₂-Emissionen aus Gebäuden sind nicht mehr nur eine technische Größe — sie sind zunehmend rechtlich und wirtschaftlich relevant für Unternehmen und Investoren.