Lastprofile · Wissensartikel

Lastprofile und Lastganganalyse im Energieaudit – Grundlast, Spitzenlast, Betriebszeiten

Das Lastprofil zeigt, wann und wie viel Energie ein Betrieb verbraucht. Die Lastganganalyse deckt Grundlastprobleme, Betriebsanomalien und Spitzenlastpotenziale auf – und ist damit eine der ertragsreichsten Auswertungen im Energieaudit nach DIN EN 16247-1.

Grundlast und Nachtverbrauch analysieren
Spitzenlast-Management und Netzentgelte senken
Betriebsanomalien systematisch aufdecken
15 minAuflösung Lastgang
8.760Stunden pro Jahr
≥10%SEU-Schwelle
Definition

Was ist ein Lastprofil und wozu dient es im Energieaudit?

Das Lastprofil zeigt den zeitlichen Verlauf des Energieverbrauchs – in der Regel in 15-Minuten-Intervallen über ein Jahr. Es visualisiert, wann ein Betrieb wie viel Energie verbraucht: Verbrauchsspitzen während der Produktion, Grundlast in der Nacht und am Wochenende, saisonale Unterschiede zwischen Sommer und Winter.

Im Energieaudit nach DIN EN 16247-1 ist die Lastganganalyse kein optionales Zusatzmodul, sondern integraler Bestandteil der IST-Analyse. Sie ergänzt die Jahresverbrauchsauswertung um die zeitliche Dimension und macht Einsparpotenziale sichtbar, die aus aggregierten Jahresdaten nicht erkennbar wären.

Besonders wertvolle Erkenntnisse liefert der Vergleich zwischen Betriebszeit-Lastgang und Nacht/Wochenend-Lastgang: Jede Kilowattstunde, die außerhalb der Betriebszeiten verbraucht wird, ist ein starker Indikator für Handlungsbedarf.

Visualisierung

Aufbau und Bestandteile eines Lastprofils

Schematisches Wochenlastprofil – Produktionsbetrieb (Mo–So)

Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
Mo-N
Di-N
Mi-N
Do-N
Fr-N
Tagbetrieb (Produktion aktiv)
Wochenende (kein Betrieb)
Nacht-Grundlast

Im gezeigten Beispiel beträgt die Wochenend-Grundlast rund 22–28% des Tageshöchstwerts. In einem Betrieb ohne aktive Produktion am Wochenende ist dieser Wert ein klares Signal: Lüftungsanlagen, Kompressoren, Beleuchtung oder Heizung laufen unnötig durch.

Grundlast

Grundlastanalyse – das stille Einsparpotenzial

Die Grundlast ist der Mindestverbrauch eines Betriebs außerhalb der regulären Betriebszeiten – also nachts, an Wochenenden und in Betriebsferien. In einem typischen Bürogebäude beträgt die Nacht-Grundlast 5–15% des Tageshöchstwerts; in produzierenden Betrieben mit Leckagen oder schlecht geregelter Haustechnik kann sie auf 30–40% steigen.

Typische Ursachen erhöhter Grundlast

Die Lastgangauswertung zeigt, ob und wann die Grundlast erhöht ist. Folgende Ursachen sind in der Praxis am häufigsten:

  • RLT-Anlage / Lüftung: Läuft ohne Zeitprogramm am Wochenende mit Vollvolumenstrom; sichtbar als gleichmäßige Grundlast Sa/So.
  • Druckluftleckagen: Kompressor läuft nachts zyklisch durch; zeigt sich als sägezahnförmige Nacht-Grundlast mit regelmäßigen Spitzen.
  • Beleuchtung ohne Abschalter: Konstante Grundlast über Nacht, kein Abfall zum Tagesprofil hin.
  • Heizung ohne Nachtabsenkung: Heizungsregler auf Dauerbetrieb; besonders teuer in Übergangszeiten mit milder Außentemperatur.
  • Server und IT-Systeme: Dauerbetrieb gerechtfertigt nur für echte Server; Büro-PCs und Monitore im Standby summieren sich erheblich.

Faustregel: Jede kW Grundlast, die dauerhaft eingespart wird, entspricht bei 8.760 Betriebsstunden/Jahr und 0,22 €/kWh einer jährlichen Einsparung von rund 1.930 €. Ein konsequentes Grundlastprogramm amortisiert sich oft in weniger als zwei Jahren.

Datenbeschaffung

Wie man an den 15-Minuten-Lastgang kommt

Der 15-Minuten-Lastgang ist die Basis jeder fundierten Lastprofilanalyse. Folgender Weg führt zu den Daten:

KundentypJahresverbrauchDatenverfügbarkeitVorgehen
RLM-Kundeab ca. 100.000 kWh/aAutomatisch vorhandenBeim Versorger/Netzbetreiber als CSV anfordern
SLP-Kundeunter 100.000 kWh/aNur StandardlastprofilUmrüstung auf RLM oder temporäres Messgerät
EigenerfassungBeliebigJe nach MessausstattungSmart Meter, Energiemonitor oder Klemmmessgerät

Für die Auswertung reichen Microsoft Excel oder kostenlose Tools wie OpenEnergyMonitor. Professionelle Energiemonitoring-Software wie E.ON Clarity, AMAD oder eSight ermöglichen automatisierte Anomalie-Erkennung und Reporting. Im Audit-Bericht wird die Auswertemethode dokumentiert und ein repräsentatives Lastprofil als Grafik beigefügt.

Betriebstypen

Typische Lastprofile nach Betriebstyp

Jeder Betriebstyp hat ein charakteristisches Lastprofil. Abweichungen vom Typischen zeigen Handlungsbedarf.

Produktionsbetrieb (Schicht)

Drei gleichmäßige Lasthöcker je Schicht, deutliche Schichtwechsel-Dips, gleichmäßige Wochenlast Mo–Fr. Wochenend-Grundlast durch Druckluft, Klimatisierung.

Muster: Gleichmäßig, Schichtblock, hohe Grundlast

Bürogebäude

Morgenspitze 7–9 Uhr (Lüftung, Beleuchtung, IT hochfahren), Mittagstal, Nachmittagsspitze 13–16 Uhr, steiler Abfall nach 18 Uhr. Geringe Nacht-Grundlast.

Muster: Doppelspitze, niedriges Wochenende

Supermarkt / Einzelhandel

Gleichmäßiges Tagesprofil durch Kühlung. Nacht-Grundlast deutlich erhöht durch Kühlregale und Beleuchtung. Abtauzyklen als regelmäßige Zusatzspitzen erkennbar.

Muster: Flach, hohe konstante Grundlast

Hotel

Früh-Spitze (Frühstück, Küche), Mittagstal, Abendspitze (Restaurant, Sauna). Wochenend-Peaks höher als Werktag. Saison-abhängig stark schwankend.

Muster: Ausgeprägte Abendspitze, saisonal

Logistikzentrum

Hochlast während Warenein- und -ausgang (6–9 und 13–17 Uhr). Fördertechnik und Kältehallen bestimmen Grundlast. Nachtbetrieb bei 24/7-Betrieb möglich.

Muster: Tagespitzen, mittlere Grundlast

Krankenhaus

Fast konstantes Lastprofil durch 24/7-Betrieb: Lüftung, Kühlung, Beleuchtung und Medizingeräte kontinuierlich. Operationssaal-Peaks tagsüber erkennbar.

Muster: Sehr gleichmäßig, hohe Dauerlast

Spitzenlast

Spitzenlast-Management und Leistungspreisoptimierung

Für RLM-Kunden berechnet der Netzbetreiber neben dem Arbeitspreis (ct/kWh) auch einen Leistungspreis auf Basis der höchsten gemessenen 15-Minuten-Leistung (Jahreshöchstlast in kW). Eine Senkung dieser Spitzenlast – auch nur um 10–15% – kann die jährliche Netzentgeltsrechnung spürbar reduzieren, ohne dass ein einziges Gerät dauerhaft abgeschaltet werden muss.

Typische Spitzenlast-Probleme

  • Alle Produktionsanlagen starten gleichzeitig nach Schichtbeginn
  • Kälteanlagen laufen gleichzeitig nach Abtaupause
  • E-Fahrzeuge laden unkontrolliert zu Stoßzeiten
  • BHKW fällt aus, Spitzenlast wird ungepuffert aus dem Netz gezogen

Maßnahmen zur Spitzenlast-Senkung

  • Gestaffelter Schichtstart: Anlagen versetzt hochfahren (2–3 min Verzögerung)
  • Lastverschiebung: energieintensive Prozesse in Nebenspitzzeiten verlagern
  • Batteriespeicher: Lastspitzen kappen und Spitzenlast glätten
  • Lastmanagementsystem: automatische Abschaltpriorität bei Schwellenwertüber-schreitung

Rechenbeispiel: Bei einem Leistungspreis von 80 €/(kW·a) und einer Spitzenlast von 500 kW werden jährlich 40.000 € Netzentgelt (Leistungsanteil) fällig. Eine Senkung der Spitzenlast um 50 kW (10%) spart 4.000 €/a – mit oft minimalem Investitionsaufwand durch gestaffeltes Hochfahren.

Anomalieerkennung

Betriebsanomalien im Lastgang erkennen

Die systematische Auswertung von 15-Minuten-Lastgängen deckt Anomalien auf, die in aggregierten Jahresdaten unsichtbar bleiben. Folgende Muster sind im Audit besonders aufschlussreich:

RLT-Anlage läuft am Wochenende

Erkennbar durch nahezu identisches Lastprofil Sa/So im Vergleich zu Werktagen – trotz geschlossenem Betrieb. Ursache: fehlendes oder falsch programmiertes Zeitprogramm im GLT-System. Einsparung durch korrekte Programmierung: oft 20–30% des Lüftungsstromverbrauchs.

Druckluftleckagen als Nacht-Grundlast

Sägezahnförmige Nacht-Grundlast mit gleichmäßigen Kompressor-Laufzyklen: Kompressor läuft, baut Druck auf, Leckagen entleeren das Netz, Kompressor springt wieder an. Leckagerate über 20% ist in der Praxis häufig. Leckageortung und -beseitigung amortisiert sich meist in unter einem Jahr.

Beleuchtung ohne automatische Abschaltung

Konstante Grundlast über Nacht und am Wochenende in Bereichen, die betrieblich ungenutzt sind: Lager, Flure, Außenbeleuchtung ohne Dämmerungsschalter. Zeitschaltuhr oder Bewegungsmelder beseitigen diese Grundlast dauerhaft.

Heizung ohne Nachtabsenkung

In Übergangszeiten läuft die Heizung auch nachts auf Tagestemperatur – erkennbar als gleichmäßig hohe Wärmelast. Einfache Maßnahme: Nachtabsenkung auf 16–18 °C programmieren. Einsparung: je nach Gebäude 10–25% des Heizenergieverbrauchs.

Produktionsanlage im Standby statt Abschalten

Anlage verbraucht im Standby 30–60% der Betriebsleistung – über Nacht und am Wochenende. Im Lastprofil als deutlich erhöhte Nachtlast an Wochentagen erkennbar. Ursache: fehlende Abschaltautomatik oder Bedienergewohnheit. Technische Lösung: Zeitschalter oder SPS-Programmierung.

Saisonalität

Saisonale Lastmuster und SEU-Analyse

Der Jahresvergleich von Lastprofilen – Winter gegen Sommer, Hauptsaison gegen Nebensaison – liefert wichtige Erkenntnisse zur Gebäudetechnik und Prozesssteuerung. Heizenergiebedarf und Kühlenergiebedarf bilden typischerweise gegenläufige Saisonen ab.

BereichWintersaisonSommersaisonAuditor-Fokus
Heizung / RLT HeizenHochMinimalNachtabsenkung, Gradtagkorrektur
Kälte / KlimaanlageMinimalHochKälteleistungszahl, freie Kühlung
BeleuchtungHöher (weniger Tageslicht)NiedrigerTageslichtsteuerung, Präsenzmelder
Produktion / StromMeist konstantMeist konstantSaisonale Auslastungskorrektur

Signifikante Energieverbraucher (SEU): DIN EN 16247-1 empfiehlt, alle Anlagen mit einem Verbrauchsanteil von mindestens 10% am Gesamtverbrauch als SEU zu dokumentieren. Für diese Anlagen wird der Lastgang separat analysiert und im Auditbericht als eigener Berichtsabschnitt aufgeführt.

Häufige Fragen zu Lastprofilen im Energieaudit

Antworten zu Grundlast, Lastgangbeschaffung, Spitzenlastmanagement und Anomalieerkennung.

Das Lastprofil zeigt den zeitlichen Verlauf des Energieverbrauchs – typisch in 15-Minuten-Intervallen. Es macht Grundlast außerhalb der Betriebszeiten, Verbrauchsspitzen während des Betriebs, Wochenend- und Nachtverbräuche sowie saisonale Muster sichtbar.

Diese Zeitreihendaten sind der wichtigste Ausgangspunkt für die Identifikation von Quick Wins: Jede kWh, die außerhalb der Betriebszeit verbraucht wird, ist potenziell vermeidbar. Im Audit wird das Lastprofil grafisch dargestellt und kommentiert – typische Anomalien werden benannt und mit Maßnahmenvorschlägen verbunden.

RLM-Kunden mit einem Jahresstromverbrauch ab etwa 100.000 kWh erhalten den 15-Minuten-Lastgang automatisch und können ihn beim zuständigen Netzbetreiber als CSV-Datei anfordern. Die Anfrage ist formlos und kostenfrei; Daten werden meist innerhalb weniger Werktage bereitgestellt.

Kleinere SLP-Kunden erhalten nur ein synthetisches Standardlastprofil ohne Zeitreihendaten. Für eine echte Lastganganalyse gibt es zwei Wege: Umstellung des Zähleranschlusses auf RLM (wirtschaftlich ab ca. 50.000 kWh/a) oder Einsatz eines temporären Messgeräts (Klemmmessgerät, Smart Meter) für den Auditezeitraum.

Eine hohe Nacht-Grundlast zeigt, dass Anlagen außerhalb der regulären Betriebszeiten unnötig laufen. Typische Ursachen sind: RLT-Anlagen ohne Zeitprogramm, Druckluftleckagen die den Kompressor zyklisch anlaufen lassen, Beleuchtung ohne automatische Abschaltung, Heizung ohne Nachtabsenkung sowie Produktionsanlagen im Standby-Betrieb statt vollständigem Abschalten.

Jede kW Grundlast, die dauerhaft eingespart wird, entspricht bei 8.760 h/a einem jährlichen Einsparpotenzial von rund 1.930 € (bei 0,22 €/kWh). Die Grundlastanalyse ist deshalb oft der erste Schritt auf der Suche nach schnell umsetzbaren, kostengünstigen Maßnahmen.

Der Jahreshöchstlastwert aus dem 15-Minuten-Lastgang ist die Abrechnungsgrundlage für den Leistungsanteil im Netzentgelt bei RLM-Kunden. Durch gezieltes Lastpeak-Shaving – das Kappen der Spitzenlasten – lässt sich dieser Wert senken und damit die jährliche Netzentgeltsrechnung reduzieren.

Praktische Maßnahmen: gestaffelter Schichtstart, Verlagerung von energieintensiven Prozessen auf Nebenzeiten, Batteriespeicher zur Lastglättung und automatische Lastmanagementsysteme mit definierten Abschaltprioritäten. Bereits eine Spitzenlastsenkung um 10% kann bei großen Betrieben mehrere Tausend Euro Jahreseinsparung bedeuten.

Die häufigsten Anomalien im Lastgang sind: RLT-Anlage mit identischem Wochenend-Profil wie Werktag (fehlendes Zeitprogramm); sägezahnförmige Nacht-Grundlast durch Druckluftleckagen; konstante Nacht-Beleuchtungslast; fehlende Heiz-Nachtabsenkung in Übergangszeiten; Produktionsanlagen, die am Wochenende im Standby weiterlaufen.

Diese Muster sind im 15-Minuten-Lastgangdiagramm gut erkennbar und liefern direkte, priorisierbare Hinweise für Quick-Win-Maßnahmen – oft ohne zusätzliche Investitionskosten, nur durch Umprogrammierung oder Verhaltensänderung erzielbar.

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